Arbeitskreis Grundsatzfragen der AG der Leiter der Berufsfeuerwehren (AGBF) 
-Thesen zu Aufgaben, Aufbau und Funkstellen von integrierten Leitstellen
zur nichtpolizeilichen  Gefahrenabwehr in Deutschland-
Quelle: Bevlkerungsschutz Nr.4

1.Begriffe

1.1 Nichtpolizeiliche Gefahrenabwehr

Unter nichtpolizeilicher Gefahrenabwehr sind Hilfeleistungen bei allen
Notfllen im Rahmen der ffentlichen Daseinsvorsorge zusammenzufassen.
Sie lassen sich aus dem Regelungen in den Lndergesetzen fr:

- Feuerschutz und Hilfeleistung
- Rettungswesen
- Katastrophenschutz   

ableiten.

1.2. Integrierte Leitstellen

Leitstellen sind stndig mit Personal besetzte und mit Fernmeldemitteln
ausgestattete Rume, in welchen Notrufe entgegengenommen werden und unverzglich 
Manahmen getroffen werden , um Personal, Fahrzeuge und Gerte zu entsenden
(DIN 14011, Teil 100 (E); ISO 8421-3)
Sie alarmieren, koordinieren und lenken Einsatzkrfte und untersttzen die
Einsatzleitung (DIN 14011 Teil 9 E)
Bei integrierten Leitstellen kommt es zur vollstndigen Durchdringung
von Organisationen, Technik, und Personal.
In einer integrierten Leitstelle erledigt ggf. jeder Disponent alle
anfallenden Aufgaben unter Nutzung der gleichen Technik nach gleichen
Organisationsregeln.

2.Aufgaben

2.1 Definition der Aufgaben.

Die integrierte Leitstelle dient dem Brger in Notfllen als Servicezentrale.
Sie ist Dienstleistungsvermittlungszentrum und hat Pflicht-und Kannaufgaben
auszufhren.
Sie ist die stndig besetzte "Anlaufstelle" der kommunalen Gebietskrperschaften.
Pflichtaufgaben sind definiert in den Lndergesetzen fr Brandschutz und
Hilfeleistungen, Rettungsdienst und Katastrophenschutz sowie ggf. weitere
Rechtsvorschriften.
Kannaufgaben beinhalten alle Servicettigkeiten, die nicht als Pflichtaufgaben
definiert sind, fr die keine ffentliche Institution oder kein einschlgiges
Gewerbe grundstzlich oder rechtzeitig zur Verfgung steht oder fr die
entsprechende Vereinbarungen vorliegen.

2.2 Aufgabenerledigung

Die Aufgabenerledigung erfolgt durch

- Annahme von Hilfeersuchen
- Zuordnung von Einsatzkrfte zum Einsatzgeschehen
- Alarmierung der Einsatzkrfte
- Untersttzung der Einsatzleitung
- Information- intern und extern
- Vorbereitende Manahmen
- Dokumentation
- Vermittlung und bernahme von Dienstleistungen

Die genannten Ttigkeitsbereiche umfassen folgende Aufgaben:

Annahme von Hilfeersuchen:

- Notrufanahme aus "Notruf 112", Gefahrenmeldeanlagen, Fernsprechanschlssen
  Direktleitungen, Hausnotruf u..
- Beratung per Telefon fr Sofortmanahmen bei medizinischen und allgemeinen 
  Notflle

Zuordnung der Einsatzkrfte:

- Auswahl der zum gemeldeten Ereignis zu alarmierenden Einheit
- Anwendung von Alarmplnen
- Anwendung von Indikationskatalogen
- Anwendung von Dispositionsstrategien

Alarmierung der Einsatzkrfte:

- Auswahl und Bedienung der optimalen Alarmierungseinrichtung fr die
  festgelegten Einheiten z.B. Wachalarm ber akustisches Signal und
  Rundspruch, Personenruf, Funkalarmierung ber FME, Funkspruch, Sirene
  Telefon
- Alarmierung von zustzlichen Einsatzkrften (zB.Krfte anderer Einsatz
  bezirke, Nachbarschaftshilfe, Freischichten, Fachmter, Spezialisten,
  Fremdfirmen, Einheiten fr Groschadensanlagen)
- Sicherstellung der Alarmierung

Untersttzung der Einsatzleitung:

- Funktion als Fhrungsmittel der Einsatzleitung
- Bereitstellen von Informationen z.B. ber Anfahrten, Spezialobjekte
  Gefahrengut/Gefahrenstoffe
- Spezielle Einsatzmittel
- Temporre einsatzbezogene Erkenntnisse
- Vermittlung von Betten (Auswahl eines geeigneten Zielkrankenhauses)
- Vermittlung von Spezialisten z.B. medizinisches Fachpersonal, TUIS
- bernahme von Stabsfunktionen
- Funkberwachung
- Aufbau von Funkverbindungen
- Abfrage von Status und Lagemeldungen
- Anregung hherer Alarmstufen und sonst. standardisierter Manahmen
- Abwicklung standardisierter Manahmen

Information:

- Benachrichtigung von Polizei, Fachmter, Krankenhusern, vorgesetzte
  Verwaltungsebenen, anderen Behrden, politischen Vertretern
- ffentlichkeitsarbeit-Medien
- Warnung und Information der Brger

Einsatzvorbereitende Manahmen

- Erstellen und Pflegen von Einsatzunterlagen (Datenbnken, Karteien)
  Objekte, Straen,-sperrungen, Anfahrten, Einsatzmittel, Nachschub-
  und Ergnzungsmitteln, Adressen, Telefonnummern, Bettennachweis
  (inc. Spezialbetten)
- Praktische Ausbildung von Leitstellennachwuchspersonal
- Betreuung der Technik

Dokumentation

- Bedienung und Wartung der Dokumentationsanlage
- Protokollfhrung bei Einstzen
- ggf. Tagebuch zur allg. Dokumentation

Vermittlung und bernahme von Dienstleistungen

- Einsatz von angegliederten Krften fr Handwerker und Servicedienste
  wie Schlsseldienste, Sicherungsdienste, Wasserschdenbeseitigung,
  Sturmschdenbeseitigung, Verkehrsicherung u.a.

- berwachung technischer Einrichtungen mittels berwachungszentrale
  fr eigene und fremde Objekte
- Vermittlung fremder Handwerker
- Entgegennahme und Weitergabe von Warnmeldungen ber Hochwasser
  Sturm, Unwetter
- Hausnotruf mit entsprechender Serviceleistung
- Hausrztlicher Notdienst
- Bedienung der Telefonzentrale fr Gebietskrperschaften auerhalb
  der Brozeiten
- Brgertelefon als Instrument einer kundenorientierten Verwaltung
  auerhalb der Brozeiten
- Umweltelefon
- Sonstige Aufgaben

3. Aufbau
3.1 Technische Elemente

Zur technischen Ausstattung einer integrierten Leitstelle gehren folgende
ggf. untereinander verbundene Grundelemente:

- Notrufeinrichtung
- Telefonanlage
- Brandmeldeanlage
- Gefahrenmeldeanlage
- Funkanlage
- Antennenanlage
- Alarmierungseinrichtungen (Funk,Draht)
- zeitgeme Informations und Kommunikationstechnik
- Wachalarmeinrichtungen
- Dokumentationsanlage (Kurz und Langzeit)
- Funkmeldesystem
- Einsatzleitrechner
- Strungsmeldeanzeiger
- Fahrzeugzustandsanzeige
- Standortkennungsanzeige
- Unterbrechungsfreie Stromversorgung
- notwendige Haustechnik

Die stndig besetzten Arbeitspltze der Disponenten sind gleichartig
auszustatten.
Von jedem dieser Arbeitspltze mu jede Ttigkeit abgewickelt werden
knnen.

Zustzlich sind mindestens die 1,5 fache Zahl der stndig besetzten Arbeitspltze
als Notrufabfragepltze und Informationspltze fr Brgerinformationen bei
Groschadensanlagen sowie ein "Masterplatz" fr den Leitstellenfhrer erforderlich.
Die technische Ausstattung der Notrufabfragepltze kann der eingeschrnkten 
Funktion der Pltze angepat sein.

3.2 Personelle Elemente 

3.2.1. Personelle Ausstattung

Die Anzahl der stndig anwesenden Leitstellendisponenten ist abhngig von der
Notruf-und Einsatzfrequenz.
Mindestens 2 Disponenten mssen jedoch stndig in der Leitstelle anwesend sein.

Fr die Bewltigung von besonderen Lagen hat innerhalb von 15 Minuten die
bentigte personelle Verstrkung bereitzustehen.
Die Schichten untereinander werden durch einen Leitstellenleiter auerhalb
des Schichtdienstes gesteuert und koordiniert.
Diesem obliegt die Gesamtverantwortung fr die sachgerechte und gleichmige
Wahrnehmung der Leitstellenaufgaben.
Dies beinhaltet auch die Betreuung der technischen und organisatorischen 
Arbeitsmittel und unterlagen.

Die endgltige personelle Ausstattung richtet sich nach der Einwohnerzahl
des Versorgungsgebietes bzw. der Einsatzfrequenz und der wchentlichen
Arbeitszeit.

3.2.2 Qualifikation des Personals

Die Disponenten mssen ber Ausbildung im Rettungs-und Feuerwehrdienst
verfgen.
Die Mindestqualifikationen
- Rettungssanitter
- Feuerwehrausbildung mD
- Leitstellenlehrgang
sind erforderlich.

Mehrjhrige Einsatzerfahrungen in der Mindesqualifikation oder
hherwertig ist notwendig.In regelmigen Abstnden hat das Leitstellen
personal in beiden Bereichen praktischen Einsatzdienst zu leisten sowie
an leitstellen-spezifischen Fortbildungsmanahmen teilzunehmen.

4. Funkion

4.1. Notrufnummer

Die integrierte Leitstelle als Servicezentrale fr Notflle mu
fr Brger, die sich in Ausnahmesituationen befinden, einfach erreichbar
sein.
Die europaweit einheitliche Notrufnummer 112 trgt dem Rechnung.
Von jedem Telefon in jedem Netz mu ber die Notrufnummer 112 die fr den
Bereich zustndige integrierte Leitstelle erreicht werden.
Gleiches gilt fr automatische Notrufe.
Der direkte Kontakt zwischen Notrufsendenden und integrierten Leitstelle
kann einsatzentscheidend sein und ist deshalb sicherzustellen.

Die bundeseinheitliche Rufnummer 19222 fr den Krankentransport ist
beizubehalten.Die bundeseinheitliche Rufnummer 19296 ist als Rufnummer fr die
Feuerwehr, auerhalb des Notrufs 112, auszubauen.
Beide laufen in der integrierten Leitstelle auf.
Zur zustndigen Leitstelle der Polizei sind Direktverbindungen vorzusehen.
Gespche muen vermittelt werden knnen.Ggf. sind weitere Direktverbindungen 
zu anderen wichtigen Institutionen oder Einrichtungen vorzusehen(Krankenhuser u.a.)

4.2. Versorgungsgebiet

Der Zustndigkeitsbereich einer integrierten Leitstelle kann berregional
sein.Leitstellenbereiche von mindestens 500 000 Einwohner sind nicht
unrealistisch.

4.3. Trgerschaft

Integrierte Leitstellen gehren in der Trgerschaft der kommunalen 
Gebietskrperschaften.Sie sind auch das Fhrungsmittel des zustndigen
Hauptverwaltungsbeamten fr seine gesetzlichen Aufgaben in der Gefahrenabwehr
Als Kernstck der ffentlichen Notfall-Daseinsvorsorge drfen sie somit
nicht an private Interessen ausgerichtet werden.
Bei berregional zustndigen integrierten Leitstellen ist zwischen
den betreffenden kommunalen Gebietskrperschaften ein entsprechender Vertrag
zu schlieen, der die Verantwortung fr die Funktionsfhigkeit der Leitstelle
klar definiert.
Die Vertragspartner mit den angegliederten Kommunen, Organisationen
usw. mssen zur Zuarbeit verpflichtet werden.

4.4. Wirtschaftlichkeit

Integrierte Leitstellen als Bestandteil der ffentlichen Notfall-
Daseinsversorgung knnen nicht nach betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten
rentabel sein.Zahl, Gre, Verteilung der Anforderungen sind nur zum kleinsten
Teil exakt kalkulierbar.
Viele Pflichtaufgaben sind entsprechend gesetzlicher Vorgabe kostenfrei
zu erbringen.Die notwendigen Vorbedingungen fr exakte Kalkulationen sind
demnach nicht gegeben.
Trotzdem kann und mu die integrierte Leitstelle nach betriebswirtschaftlichen
Prinzipien gestaltet und gefhrt werden.Es sind Einnahmen zu 
erwirtschaften, wenn gesetzliche Regelungen nicht entgegenstehen oder
dies verlangen.
In diesen Bereich ist Kostendeckung anzustreben.
Die Trger der integrierten Leitstellen haben gemeinsam nach 
entsprechendem Schlssel die Finanzierung der integrierten Leitstelle
sicherzustellen.

4.5. Ausfallsicherheit

Alle fr die Einsatzabwicklung erforderlichen Systeme sind an die 
unterbrechungsfreie Stromversorgung anzuschlieen.
Fr diese Systeme ist darber hinaus die Hchstsausfallsicherheit
nach dem jeweiligen Stand der Technik anzustreben, damit die 
Funktionsfhigkeit der Leitstelle in wesentlichen Teilen auch bei
Totalausfllen einzelner Systeme gewhrleistet ist.
Es mssen mehrere Rckfallebenen technisch und/oder organisatorisch
vorbereitet sein.
Die volle Betriebsbereitschaft der Leitstelle mu nach Teilausfllen
in vertretbar krzester Zeit wiederhergestellt werden knnen.


